Dörrzeit: Was muss wie lange bei wie viel Grad?

Welches Dörrgut braucht bei wie viel Grad wie lange? Die Fragen nach Dörrzeit und Dörrtemperatur sind berechtigt, weil zum Gelingen extrem wichtig. Daher hier ein paar Richtwerte für dich.

Bei wie viel Grad musst du Rindfleisch dörren? Oder Äpfel? Und vor allem: Wie lange? Diese Fragen stellst du mit Recht, schließlich entscheiden Zeit und Temperatur über das Ergebnis. Also über Erfolg bzw. Misserfolg. Nur richtig gedörrt, kann das Dörrgut seine vielen Vorteile erreichen. Etwa den intensiven Geschmack oder die lange Haltbarkeit. Brichst du das Dörren hingegen zu früh ab, bleibt der Wasseranteil zu hoch. So haben Bakterien und Schimmel leichtes Spiel.

Auf der anderen Seite verträgt manches Dörrgut allzu hohe Temperaturen nicht wirklich gut. Prompt gehen Vitamine flöten, womit sich durchaus Nachteile ergeben. Also? Wie lange bzw. bei welcher Temperatur musst du

dörren?

Obacht: Die genanten Werten gelten bei Nutzung eines Dörrautomaten.

Dörrzeit & Dörrtemperatur von Fleisch

Fangen wir mit dem besten ab: Fleisch. Als Trekker, Prepper und Kraftsportler findest du in Trockenfleisch deine neuen besten Kumpel. Wenig Kalorien, dafür viel Eiweiß. Trekker freuen sich zudem über wenig Gewicht. Apropos Trekker: In Form von Pemmikan liefert dir Dörrfleisch doch die nötigen Kalorien.

Je nach Dicke der Stücke und der gewünschten Konsistenz beträgt die Dörrtemperatur bei Fleisch jedenfalls 45 bis 70 Grad Celsius. Stellst du die Temperatur niedriger, ist das Resultat eher ledrig. Stellst du die Temperatur höher ein, ist das Ergebnis hingegen eher knackig. Je nach Temperatur beträgt die Dörrzeit dann sechs (70 °) bis zwölf Stunden (45 °).

DörrgutZubereitungGrad CelsiusZeit (h)
Fleischdünne Streifen, Stücke (50 x 5 mm)45 - 706 - 12
HuhnStreifen oder Stücke607 - 8
PuteStreifen oder Stücke607 - 8
RindfleischStreifen oder Stücke608 - 9
WildStreifen oder Stücke6010 - 12

Tipp 1: Willst du Keime abtöten, bist du erst ab 65 Grad auf der sicheren Seite.

Tipp 2: Fett verlängert die Dörrdauer. Obendrein kann das Trockenfleisch dann ranzig schmecken. Das Fett vom Fleisch zu trennen ist also generell eine gute Idee.

Tipp 3: Mitunter lohnt ein kurzes Anbraten in der Pfanne. Huhn bzw. generell Geflügel solltest du wegen Bakterien (Salmonellen) vor dem Dörren sogar kochen.

Obst: Aufgepasst bei Vitamin B & C

Bei Obst gilt ebenfalls Vorsicht. Vor allem Vitamin B (eine Gruppe von gleich acht Vitaminen) sowie Vitamin C vertragen nur wenig Hitze. Bei Vitamin C heißt Hitze schon 40 Grad Celsius. Allerdings ist das Schwinden der Vitamine ein schleichender Prozess, weil nicht sofort der gesamte Vorrat zerstört wird. Das dauert. Doch genau das ist auch die Crux, denn Dörren dauert etliche Stunden.

Fazit: Obst (ebenso wie Gemüse) solltest du eher schonend dörren, auch wenn die Hersteller der Dörrautomaten anderes sagen. Senke also die Dörrtemperatur und verlängere dafür wieder die Dörrzeit. So erhältst du wichtige Vitamine wie B und C. Apropos: Vitamin C ist vor allem in Zitrusfrüchten enthalten. Aber auch in Johannisbeeren, Hagebutten, Tomaten, Paprika, Kartoffeln, Spinat, Kohl und Rettich. Schonend heißt übrigens 30 bis 40 Grad.

DörrgutZubereitungGrad CelsiusZeit (h)
AnanasScheiben (10 mm)50 - 6010 - 14
ApfelScheiben (5 mm)507 - 10
AprikoseScheiben (8 mm)50 - 5511 - 20
BananeScheiben (5 mm)45 - 706 - 12
BirneScheiben (5 mm)707 - 10
Dattelhalbiert & entkernt5010 - 20
ErdbeereScheiben (5 mm)40 - 507 - 10
Feigehalbiert7010 - 12
Kirschehalbiert & entkernt5020
KiwiScheiben (5 mm)45 - 6014 - 20
MangoScheiben (5 mm)45 - 6013 - 17
OrangeScheiben (5 mm)708 - 11
Pflaumehalbiert & entkernt40 - 5010 - 20
QuitteSpalten (10 mm)608 - 10
Weintraubekernlos30 - 5024

Ansonsten schau’ auf die Qualität. Dein Dörrobst wird nur so gut wie das Basisprodukt. Achte darauf, dass die Früchte reif sind. Also weder unreif noch überreif. Meide außerdem Früchte mit

  • Druckstellen
  • faulen Stellen
  • Schädlingen
  • Pilzerkrankungen
  • Schimmel

Eigentlich logisch, oder?

Tipp 1: Je mehr Wasser eine Frucht enthält, desto länger ist (bei gleicher Temperatur) die Dörrzeit. Bei der gewünschten Konsistenz gilt wieder: Magst du es etwas weicher, verringere die Zeit. Magst du es dagegen knackig, erhöhe die Zeit. Manko: Je kürzer die Dörrzeit, desto höher der Wassergehalt und desto kürzer die Haltbarkeit.

Tipp 2: Willst du Äpfel oder Birnen dörren, tauche diese zuvor in Zitronenwasser. Hierzu langen dir zwei (Bio)Zitronen auf ein Liter Wasser. So verhinderst du eine unschöne Bräunung.

Wann ist gedörrtes Obst fertig? Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Quitten und Co. fühlen sich weich bis ledrig an und sind biegsam. Als Faustregel gilt: Drückst du das Dörrobst zwischen zwei Fingern, darf kein Wasser bzw. Saft mehr austreten.

Dörrzeit & Dörrtemperatur von Gemüse

Für Gemüse gilt eigentlich das gleiche wie für Obst, Stichwort Vitamine und Basisprodukt.

DörrgutZubereitungGrad CelsiusZeit (h)
Bohneblanchiert, ganz5010 - 12
ChiliScheiben (5 mm)60 - 7012
Erbseblanchiert, gepult508
Fenchelgehobelt706 - 8
GurkeScheiben706 - 8
Lauchblanchiert, Ringe oder Streifen45 - 504 - 8
Möhreblanchiert, Scheiben556 - 12
PaprikaRinge706 - 8
Peperonihalbiert (längs)708 - 9
PetersilienwurzelScheiben706 - 8
SellerieScheiben708 - 11
SüßkartoffelnScheiben (3 mm)6512
TomateScheiben, geviertelt, halbiert6010 - 12
ZucchiniScheiben (3 mm)706
ZwiebelRinge45 - 505 - 8

Wann ist gedörrtes Gemüse fertig? Das verrät dir einmal mehr die Konsistenz. Bohnen, Erbsen, Lauch, Zwiebeln, Wurzeln und Co. sind hart, trocken und spröde.

Dörrzeit & Dörrtemperatur von Pilzen

Pilze sind schließlich recht einfach. Egal welche Art von Pilz: Die Temperatur stellst du auf 50 Grad, den Timer auf drei bis sechs Stunden. Je nachdem, welche Konsistenz du erzielen möchtest. Die Pilze selbst schneidest du in Scheiben von 3 bis max. 5 mm Dicke.

DörrgutZubereitungGrad CelsiusZeit (h)
Pilze aller ArtScheiben (3 - 5 mm)503 - 6

Tipp 1: Reinigen solltest du Pilze generell nur mit einem Pinsel oder höchstens mit einem feuchten Tuch. Ein „Wasserbad“ treibt dagegen den Wassergehalt hoch. Entsprechend dauert das Dörren länger. Außerdem leidet die Haltbarkeit, Stichwort Schimmel.

Tipp 2: Nutze junge Pilze, deren Hut am besten noch geschlossen ist. Diese sind in der Regel trockener und dunkeln auch nicht so doll nach.

Eine Ausnahme: Steinpilze. Diese kannst du bei Rohkosttemperatur trocknen. Sprich: bei 40, max. 41 Grad Celsius. Logisch, dass dann das Dörren etwas länger dauert. 50 Grad sind für Steinpilze aber ebenfalls okay.

Tipp 3: Bei Steinpilzen kannst du außerdem die Röhren älterer Pilze verwerten. Diese ergeben ein herrlich intensives Aroma. Zu Pulver zermahlen sind diese Röhren außerdem eine tolle Idee, um Soßen sämig zu machen.

Wann sind Pilze fertig gedörrt? Wenn diese durch und durch trocken – auch innen – sind, sich aber noch biegen lassen. Steinpilze sollten laut passion-pilze-sammeln.com „rascheln wie trockene Herbstblätter“.

Bei Kräutern gilt Vorsicht….

Bei Kräutern gilt wieder Obacht, nicht alle taugen zum Dörren. Manche verlieren schlicht ihr Aroma – mitunter quasi schon durch das Pflücken -, andere eignen sich aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht. Folgende Kräuter sind

  • nicht geeignet: Borretsch, Kresse, Liebstöckel (Maggikraut), Pimpinelle, Tripmadam, Sauerampfer, Schwarznessel sowie Weinraute.
  • mäßig bis gut geeignet: Basilikum, Dill, Petersilie, Schnittlauch, Ysop sowie Zitronenmelisse.
  • sehr gut geeignet: Beifuß, Bohnenkraut, Herzgespann, Kamille, Lavendel, Majoran, Oregano, Pfefferminze, Rosmarin, Salbei, Thymian, Waldmeister und Zitronenstrauch.

Bei einigen wenigen Kräutern wie Oregano oder Majoran erreichst du durch das Trocknen sogar mehr Aroma.

Die Faustregel beim Dörren von Kräutern ist übrigens simpel. Stell’ die Temperatur auf 40 Grad und trockne die Kräuter zwei bis vier Stunden. Besonders vorbereiten musst du Kräuter ebenfalls nicht, du kannst die Zweige im Ganzen dörren.

DörrgutZubereitungGrad CelsiusZeit (h)
Basilikumganze Zweige402 - 4
Bohnenkrautganze Zweige402 - 4
Dillganze Zweige402 - 4
Estragonganze Zweige402 - 4
Kamilleganze Zweige402 - 4
Lavendelganze Zweige402 - 4
Majoranganze Zweige402 - 4
Minzeganze Zweige402 - 4
Oreganoganze Zweige402 - 4
Petersilieganze Zweige402 - 4
Rosmaringanze Zweige402 - 4
Salbeiganze Zweige402 - 4
Schnittlauchganze Zweige402 - 4
Thymianganze Zweige402 - 4
Waldmeisterganze Zweige402 - 4
Herzgespannganze Zweige402 - 4

Tipp 1: Ernte die Kräuter an einem regenfreien Tag. Schon vor der Ernte sollte ein zwei Tage die Sonne scheinen – und damit die Kräuter vortrocknen.

Tipp 2: Viele Kräuter verlieren mit ihrer Blüte Aroma. Zum Beispiel Basilikum, Dill, Oregano, Schnittlauch. Ernte also vor der Blüte. Dennoch kannst du diese Kräuter auch nach der Blüte verwenden.

Tipp 3: Verzichte darauf, die Kräuter zu waschen. Das verlängert den Dörrprozess und geht zu Lasten des Aromas. Willst du die Kräuter von Staub befreien, schüttel’ sie in einem Sieb aus. Willst oder musst du die Kräuter doch waschen, tupfe sie mit Küchenpapier trocken.

Keine Gewähr: Alle Daten sind Richtwerte…

Zuletzt noch ein Hinweis: Sämtliche Werte sind lediglich Richtwerte. Eventuell musst du nachbessern und entweder die Temperatur erhöhen oder die Dörrzeit verlängern. Zum einen ist das deinem persönlichen Geschmack bzw. der von dir gewünschten Konsistenz geschuldet. Zum anderen auch den Gegebenheiten. Ein heißer schwüler Sommertag ist zum Beispiel nicht der beste Tag zum Dörren, weil die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist. Oder du hast dein Dörrgut in zu dicke Scheiben bzw. Stücke geschnitten. In Stein gemeißelt sind die genannten Werte also beileibe nicht.

Quellen: foryourhealth.de, krautundrueben.de, richtig-dörren.de, passion-pilze-sammeln.com, kraeuter-buch.de, dörrautomat.de

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